Social Media Festival 2026: Warum Reichweite nicht alles ist
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Aktualisiert: vor 1 Tag

Am 4. Juni fand in der Kulturschule Malchin das zweite Social Media Festival des Digitalen Innovationszentrums (DIZ) Neubrandenburg statt. Unter dem Motto „Less Scroll – More Soul“ gab es statt klassischer Vorträge vor allem ehrliche Erfahrungsberichte, praxisnahe Einblicke und einen offenen Wissensaustausch.
Ins Leben gerufen wurde das Festival von Judith Kenk, Digitallotsin des DIZ Neubrandenburg, die mit dem Format erneut eine Plattform für Austausch, Inspiration und neue Perspektiven auf Social Media geschaffen hat.

Den Auftakt machte Asti vom MakerPort, die über ihre Erfahrungen im Influencer-Marketing mit ihrem Startup fredis Kinderdusche sprach. Sie berichtete, dass Kooperationen heute deutlich teurer sind als noch zu Beginn und ihr Erfolg dennoch nicht immer vorhersehbar bleibt.
Gleichzeitig zeigte sie, wie sehr sich das Influencer-Marketing in den vergangenen Jahren verändert hat. Während Kooperationen früher häufig stark vorgegeben waren, erhalten Creatorinnen und Creator heute deutlich mehr kreativen Freiraum. Das Ergebnis sind authentischere Inhalte, die bei der Community besser ankommen.
Besonders spannend war die Erkenntnis, dass nicht immer die größten Accounts den größten Erfolg bringen. Gerade sogenannte Micro-Influencer mit etwa 5.000 bis 10.000 Followerinnen und Followern verfügen häufig über eine besonders engagierte Community und erzielen dadurch oft bessere Ergebnisse als deutlich größere Profile. Unternehmen können dabei zwischen unterschiedlichen Kooperationsmodellen wählen – von klassischen Vergütungen über Provisionsmodelle bis hin zu Rabattcodes, mit denen sich Kampagnen gut auswerten lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die enge Einbindung der Community in die Produktentwicklung, etwa bei der Auswahl neuer Motive. Wer seine Zielgruppe frühzeitig einbezieht, erhält wertvolles Feedback und stärkt gleichzeitig die Identifikation mit der eigenen Marke. Denn erfolgreiche Kommunikation entsteht heute zunehmend im Dialog und nicht mehr ausschließlich in eine Richtung.
Außerdem gab Asti Einblicke in ihre Erfahrungen mit „Die Höhle der Löwen“ und die Aufmerksamkeit, die das Startup durch die Fernsehsendung erhielt. Dabei wurde auch deutlich, dass Kaufentscheidungen selten nach dem ersten Kontakt entstehen. Oft braucht es mehrere Berührungspunkte mit einer Marke, bevor aus Interesse tatsächlich eine Kaufentscheidung wird.
Ein weiterer Programmpunkt führte die Teilnehmenden nach draußen. Juliane Kruse stellte mit ihrem Projekt #GutshausMomente und dem Instagram-Account @historische.haeuser vor, wie Social Media regionale Kultur, Tourismus und historische Orte miteinander verbinden kann. Anhand des beliebten InstaWalk-Formats zeigte sie, wie erfolgreiche Kooperationen zwischen Unternehmen, Institutionen sowie Creatorinnen und Creatorn entstehen.
Dabei wurde deutlich, dass bei der Auswahl passender Kooperationspartner nicht allein die Anzahl der Follower entscheidend ist. Mindestens genauso wichtig sind eine aktive Community, regelmäßige Inhalte, passende Zielgruppen und authentischer Austausch. Gleichzeitig regte Juliane dazu an, sich bereits vor einer Zusammenarbeit bewusst zu machen, welches Ziel erreicht werden soll – mehr Bekanntheit, eine neue Zielgruppe oder ein konkreter Abverkauf.

Im Anschluss gab Céline Graubaum von ELIZAR Media einen offenen Einblick in die Welt des User Generated Content (UGC). Damit sind authentische Inhalte gemeint, die Creatorinnen und Creator für Unternehmen produzieren. Sie funktionieren vor allem deshalb so gut, weil sie natürlicher und glaubwürdiger wirken als klassische Werbeformate.
Preislich bewegt sich UGC meist zwischen etwa 100 Euro pro Video für Einsteigerinnen und Einsteiger und rund 300 bis 500 Euro für erfahrene Creator. Céline empfahl Unternehmen, gerade zu Beginn mit verschiedenen Creatorinnen und Creatorn zusammenzuarbeiten. So lässt sich herausfinden, welche Inhalte und Persönlichkeiten wirklich zur eigenen Marke passen.
Zum Abschluss machte Annelie Bensch auf eine Entwicklung aufmerksam, die viele Unternehmen zunehmend betrifft: Immer mehr Menschen nutzen Social Media heute aktiv als Suchmaschine. Sie verlassen sich lieber auf Erfahrungen anderer Nutzerinnen und Nutzer, als sich durch zahlreiche Google-Ergebnisse zu klicken.

Was online nicht sichtbar ist, findet für viele schlicht nicht mehr statt.
Umso wichtiger sei es deshalb, eine wiedererkennbare Bildsprache zu entwickeln, einen eigenen Stil zu etablieren und wichtige Inhalte dauerhaft zugänglich zu machen – beispielsweise über Highlights oder angeheftete Beiträge. Gleichzeitig erinnerte sie daran, zentrale Botschaften regelmäßig zu wiederholen, da im Strom des Feeds viele Inhalte schnell wieder in Vergessenheit geraten. Auch regionale Kooperationen können dabei helfen, neue Zielgruppen zu erreichen und die eigene Reichweite nachhaltig auszubauen.
Alles in allem war das Social Media Festival ein inspirierender Tag mit vielen praxisnahen Impulsen. Die wichtigste Erkenntnis zog sich durch alle Vorträge: Erfolgreiches Social Media Marketing braucht nicht zwingend riesige Followerzahlen. Viel wichtiger sind Authentizität, Kontinuität, eine durchdachte Strategie und echte Beziehungen zur eigenen Community.
Wir bedanken uns herzlich bei Judith Kenk und dem gesamten Team des Digitalen Innovationszentrums Neubrandenburg für die gelungene Veranstaltung und die vielen wertvollen Einblicke. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Ausgabe des Social Media Festivals.
Fotos: NØRR FØTOGRAFIE
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