Vom Online-Shop zum regionalen Netzwerk: Wie Meine Landfreu.de sein Geschäftsmodell weiterentwickelt
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Viele Gründungen starten mit einer klaren Idee, doch erst in der Praxis zeigt sich, wie ein Geschäftsmodell wirklich funktioniert. Genau diese Entwicklung hat auch Laura Zoch, Gründerin von Meine Landfreu.de durchlaufen. Aus einem ursprünglich rein digitalen Ansatz ist in den letzten Jahren ein hybrides Modell entstanden, das Onlinehandel, regionale Märkte und einen eigenen Standort miteinander verbindet.

Die Idee: Regional einkaufen, ohne Umwege
Die Idee hinter Meine Landfreu.de entstand aus einem ganz praktischen Problem: Wer regionale Lebensmittel kaufen möchte, muss häufig viel Zeit investieren. Hofläden haben unterschiedliche Öffnungszeiten, Märkte finden nur an bestimmten Tagen statt und im Supermarkt ist oft nicht klar, wie regional ein Produkt wirklich ist.
Vom Konzept zur Umsetzung
Vor einigen Jahren war Meine Landfreu.de auch Teil der Gründungsberatung beim MakerPort. Seitdem hat sich einiges entwickelt: Aus einem theoretischen Konzept ist ein funktionierendes Unternehmen geworden, das sich in den letzten vier Jahren Schritt für Schritt weiterentwickelt hat.
Gestartet ist das Projekt mit einem reinen E-Commerce-Modell. Heute besteht das Geschäftsmodell aus mehreren Bausteinen:
einem Online-Shop für regionale Produkte
Pop-up-Wochenmärkten in der Region
einem Food Hub mit Hofladen und Café in Wittenhagen
Damit ist aus der ursprünglichen Plattform ein hybrides Vermarktungskonzept für regionale Lebensmittel entstanden.
Der Start: Ein digitaler Ansatz
Am Anfang stand ein klassischer Curated-E-Commerce-Ansatz. Regionale Produkte sollten gebündelt, online präsentiert und direkt an Endkundinnen und Endkunden verkauft werden. Ziel war es, durch Automatisierung und Digitalisierung möglichst effiziente Prozesse aufzubauen.
Die Gründung erfolgte zunächst im Nebenerwerb, deshalb lag der Fokus besonders auf einer schlanken Infrastruktur und klaren digitalen Abläufen.
Vertrauen als Schlüssel im Onlinehandel
Im Online-Vertrieb zeigte sich schnell, dass besonders Authentizität und Transparenz entscheidend sind. Gerade bei Lebensmitteln müssen Kundinnen und Kunden Vertrauen aufbauen, schließlich können sie die Produkte beim Kauf nicht sehen oder anfassen. Storytelling wurde deshalb zu einem wichtigen Bestandteil der Kommunikation. Die Geschichten der regionalen Erzeuger, die Herkunft der Produkte und die persönliche Motivation hinter dem Projekt spielen eine zentrale Rolle dabei, Vertrauen aufzubauen.
Die wichtigste Erkenntnis: Regionalität ist ein Erlebnis
Mit der Zeit wurde jedoch deutlich, dass viele Menschen regionale Lebensmittel nicht nur bestellen möchten, sie wollen sie auch erleben. Besuche auf Märkten, Gespräche mit den Menschen hinter den Produkten oder persönliche Beratung im Hofladen spielen für viele Kundinnen und Kunden eine wichtige Rolle. Genau diese Erfahrung hat dazu geführt, das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Diese Nähe zeigt auch Wirkung: Viele neue Kundinnen und Kunden kommen über Empfehlungen oder persönliche Kontakte, oft mit mehr Reichweite als klassische Werbung.
Dabei ging es nicht darum, sich bewusst vom Onlinehandel abzuwenden. Stattdessen wurden zusätzliche Vertriebskanäle aufgebaut, die das Gesamtmodell ergänzen. Heute funktioniert meine Landfreu.de bewusst als hybrides System, in dem mehrere Kanäle zusammenwirken.
Regionale Wertschöpfung stärker vernetzen
Ein wichtiger Fokus für die Zukunft liegt auf dem Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten. Gemeinsam mit Partnern arbeitet Meine Landfreu.de derzeit an neuen Kooperationen entlang der gesamten Produktionskette, von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung.
Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit im Food Hub Nord, bei dem regionale Brot- und Backwaren aus Mecklenburg-Vorpommern erzeugt, verarbeitet und vermarktet werden. Gleichzeitig wird auch der Einstieg in den Großhandel geprüft, um regionale Produkte stärker in den Lebensmitteleinzelhandel zu bringen.
Warum regionale Präsenz so wichtig ist
Der stärkere Fokus auf regionale Strukturen bringt mehrere Vorteile mit sich. Produkte, die in Mecklenburg-Vorpommern angebaut oder hergestellt werden, sollen möglichst auch in der Region konsumiert werden.
Das stärkt:
lokale Wertschöpfungsketten
Arbeitsplätze im ländlichen Raum
nachhaltige Lieferketten mit kurzen Transportwegen
Gleichzeitig entstehen neue Infrastrukturen für regionale Vermarktung, ein wichtiger Faktor gerade für ländliche Regionen.

Auszeichnungen und Meilensteine
Ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung von Meine Landfreu.de war die Anerkennung auf regionaler und bundesweiter Ebene. Im Jahr 2025 stand das Unternehmen im Finale des OZ-Existenzgründerpreises, ein starkes Signal für die unternehmerische Entwicklung und die Relevanz des Konzepts in Mecklenburg-Vorpommern.
2026 folgte ein weiterer Meilenstein auf nationaler Bühne: Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin wurde das Team von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir ausgezeichnet und erhielt eine Förderurkunde für ein zukunftsweisendes Projekt in Mecklenburg-Vorpommern.
Im Fokus steht dabei der Aufbau eines innovativen Food Hubs in Wittenhagen bei Stralsund. Ziel ist es, regionale Bio-Rohstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu begleiten, vom Korn bis zum fertigen Produkt. Das Besondere: Landwirtschaft, handwerkliche Verarbeitung und moderne Logistik arbeiten hier unter einem Dach zusammen und schaffen so eine neue Form regionaler Zusammenarbeit.
Ein Highlight seit der Gründung
Besonders motivierend sind für das Team die Geschichten hinter den Zahlen. Wenn regionale Produzenten berichten, dass sie durch die Zusammenarbeit zusätzliches Personal einstellen konnten oder weniger Zeit auf Märkten verbringen müssen, zeigt sich der eigentliche Effekt des Projekts.
Auch das Feedback der Kundinnen und Kunden ist ein wichtiger Antrieb, von der über 80-jährigen Kundin, die durch Lieferungen wieder mehr Selbstständigkeit gewinnt, bis zum Stammkunden, der regelmäßig wegen eines bestimmten Produkts in den Hofladen kommt.
Die nächsten Schritte
Für die kommenden Jahre liegt der Fokus vor allem darauf, den Standort in Wittenhagen weiter auszubauen. Der Hofladen bietet noch viel Potenzial, um mehr Besucherinnen und Besucher vor Ort willkommen zu heißen.
Darüber hinaus sollen
eigene Produkte stärker entwickelt werden
der Fulfillment-Service für regionale Produzenten ausgebaut werden
langfristig neue Vertriebswege im Großhandel entstehen.
Das wichtigste Learning für Gründer:innen
Ein zentrales Learning, welches Laura auch anderen Gründungsinterssierten mitgibt: Nicht zu lange zögern, sondern ausprobieren.
Geschäftsmodelle entwickeln sich oft erst durch echte Erfahrungen im Markt. Statt auf perfekte Planung zu warten, lohnt es sich, mit einer guten Idee zu starten, Feedback aufzunehmen und den eigenen Weg immer wieder anzupassen. Denn erfolgreiche Gründungen entstehen selten aus einem perfekten Plan, sondern aus der Fähigkeit, Probleme zu erkennen, Lösungen zu testen und sich weiterzuentwickeln.
Fazit
Die Entwicklung von Meine Landfreu.de zeigt eindrucksvoll, wie sich Geschäftsmodelle im Laufe der Zeit verändern können. Was als reiner Online-Shop für regionale Lebensmittel begann, hat sich Schritt für Schritt zu einem hybriden Konzept entwickelt, das digitale Vermarktung, persönliche Begegnungen und regionale Wertschöpfung miteinander verbindet. Dabei wurde deutlich, dass gerade bei Lebensmitteln Vertrauen, Nähe und Erlebbarkeit eine entscheidende Rolle spielen. Die Kombination aus Onlinehandel, Hofladen und regionalen Märkten schafft genau diese Verbindung und stärkt gleichzeitig lokale Strukturen. Ein wichtiges Learning: Ein Geschäftsmodell muss nicht von Anfang an perfekt sein, entscheidend ist die Bereitschaft, auf Erfahrungen zu reagieren, neue Wege zu testen und die eigene Idee kontinuierlich weiterzuentwickeln.
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