MakerME3D meets Meeresmuseum
- 1. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wenn Technologie Meereswelten zum Leben erweckt
Das MakerME3D Special im Juni und Juli 2025 bot den Teilnehmer:innen eine außergewöhnliche Gelegenheit: In Kooperation mit dem Deutschen Meeresmuseum konnten sie nicht nur exklusive Einblicke in die Präparationsarbeit hinter den Kulissen gewinnen, sondern auch erleben, wie 3D-Drucktechnologie die Museumswelt bereichert. Die ausgebuchte Veranstaltung teilte sich in zwei aufeinander abgestimmte Termine, die gemeinsam ein rundes Gesamterlebnis ergaben.

Workshop-Tag: Von der Datei zum Exponat
Am 26. Juni startete das Projekt mit einem interaktiven Workshop im MakerPort. Gemeinsam mit Adam aus dem Präparatorenteam tauchte die Gruppe in den faszinierenden Entstehungsprozess der 3D-gedruckten Museumsexponate ein. Anhand ausgewählter Beispiele und Fotomaterial aus dem Meeresmuseum wurde Schritt für Schritt nachvollzogen, wie die digitalen Modelle der Objekte – überwiegend Meerestiere – überhaupt entstehen und welche Drucktechniken zum Einsatz kommen.
Besonders wertvoll war der ehrliche Austausch über Herausforderungen und Fehlschläge: Was funktionierte nicht wie geplant? Welche Schwierigkeiten traten beim Druck auf? Die offene Diskussion über Verbesserungsmöglichkeiten und alternative Lösungsansätze machte deutlich, dass auch professionelle Projekte einen iterativen Prozess durchlaufen.
Der eigentliche Höhepunkt des Workshops war jedoch die Demonstration des Postprocessings. Von der Oberflächenbehandlung bis hin zur künstlerischen Bemalung durch eine professionelle Künstlerin aus dem Präparatorenteam des Meeresmuseums – jeder Arbeitsschritt wurde transparent gezeigt. Die Konstruktion der Objekte beeindruckte bereits, doch die finale Bemalung verwandelte die gedruckten Stücke regelrecht: Die charakteristischen Merkmale eines FDM- oder SLA-Drucks verschwanden vollständig und ließen täuschend lebensechte Exponate entstehen.

Museumsbesuch: Spurensuche und neue Perspektiven
Der zweite Teil führte die Gruppe direkt ins Deutsche Meeresmuseum. Die Mission: Die im Workshop besprochenen Exponate in der Ausstellung wiederzufinden. Eine Aufgabe, die sich als erstaunlich knifflig herausstellte. So meisterhaft waren die gedruckten Objekte nachbearbeitet und in die Szenerie eingebettet, dass nicht alle Exemplare identifiziert werden konnten. Diese nahtlose Integration bewies eindrucksvoll die Qualität der Arbeit und zeigte, wie 3D-Druck heute bereits zum selbstverständlichen Werkzeug der Museumspraxis geworden ist.
Über die reine Spurensuche hinaus eröffnete der Besuch jedoch noch eine weitere wichtige Dimension: Der Einsatz von 3D-Drucktechnologie für ein barrierefreies Museumserlebnis. Von einzelnen Tastmodellen über erhabene Schriftzeichen bis hin zu ganzen „offenen Vitrinen" – Szenen, die nicht nur visuell wahrgenommen, sondern auch haptisch erforscht werden können – wurde deutlich, wie Technologie Museen inklusiver gestaltet. Diese Anwendungen ermöglichen es Menschen mit Sehbehinderung, Ausstellungsinhalte auf völlig neue Weise zu erleben.

Technologie trifft Vermittlung
Das zweiteilige MakerME3D-Format verdeutlichte eindrucksvoll, wie 3D-Druck weit über das reine Prototyping oder Hobbydrucken hinausgeht. Die Verbindung von technischem Know-how, handwerklichem Geschick und künstlerischer Expertise schafft Möglichkeiten, die Bildung, Kultur und Inklusion gleichermaßen bereichern. Für die Teilnehmer:innen bot sich nicht nur die Chance, professionelle Workflows kennenzulernen, sondern auch Inspiration für eigene Projekte mit sozialem oder kulturellem Mehrwert mitzunehmen.
Wie 3D-Druck auch in der museumspädagogischen Arbeit neue Möglichkeiten eröffnet, zeigte das Projekt „Meeresgeschichten erlebbar machen mit 3D-Druck“, das von Januar bis Februar 2026 gemeinsam mit der Pädagogik und dem Jugendclub des Deutschen Meeresmuseums umgesetzt wurde. Die Jugendlichen wählten Tiere aus dem Korallenriff aus und modellierten diese eigenständig als digitale 3D-Modelle. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die Modelle anatomisch möglichst korrekt auszuarbeiten, sodass sie den realen Vorbildern gerecht werden.
Nach der digitalen Konstruktion wurden die Modelle im 3D-Druck gefertigt und anschließend der Museumspädagogik zur Verfügung gestellt. Dort können sie künftig in Bildungsangeboten eingesetzt werden und Meereswelten für Besucher noch anschaulicher und interaktiver erlebbar machen.
Neben dem praktischen Umgang mit 3D-Druck erwarben die Jugendlichen wertvolle Zukunftskompetenzen in den Bereichen digitale Konstruktion, additive Fertigung und kreatives Problemlösen. Gleichzeitig erhielt die Museumspädagogik neue Einblicke in digitale Arbeitsmethoden und deren Potenzial für zukünftige Projekte. Das Projekt wurde nach seinem Abschluss nicht im MakerPort fortgeführt. Aktuell wird jedoch an einer ehrenamtlichen Weiterführung gearbeitet, um die entstandenen Ideen und Erfahrungen auch künftig für die Bildungsarbeit nutzen zu können.
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