Digitalisierung & Glaube: Wie viel Digital verträgt und braucht die Gemeinde?

Wie digital sind religiöse Gemeinden heute wirklich? Wo liegen die Hürden zwischen Theorie und Kirchturm, und wie kann moderne Technik das Gemeinschaftsgefühl stärken? Bei unserem MakerPort MeetUp in Stralsund sind wir mit Vertreter:innen und Mitgliedern verschiedener Glaubensgemeinschaften zusammengekommen, um genau diesen Fragen nachzugehen: ehrlich, konstruktiv und nah an der Praxis.
Als Referenten durften wir Prof. Andreas Büsch begrüßen, Professor für Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft an der KH Mainz. In seinem Impuls gab er uns Einblicke in kirchliche Veröffentlichungen wie päpstliche Enzykliken. Solche Dokumente bieten mit ihrer Zeit- und Marktkritik eine wertvolle Orientierung und ein solides ethisches Fundament als hervorragende Grundlage für unser weiteres Nachdenken und Diskutieren.
Unterschiedliche Voraussetzungen, gemeinsame Neugier
In der anschließenden Austauschrunde haben wir schnell gemerkt: Die eine Gemeinderealität gibt es nicht. Die Teilnehmenden brachten ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit, von der kleinen Gemeinde mit knappen Ressourcen bis hin zu Gemeinden als Teil von größeren Verbünden. Doch egal wie groß die Mittel waren, eines war allen gemeinsam: ein hohes Interesse, wertvolle Vorerfahrungen und eine große Portion Neugier auf das, was technisch noch möglich ist.
In den Gesprächen sind uns vor allem folgende Punkte begegnet:
Ressourcenknappheit: Oft fehlt es an Hardware, Budget oder schlicht an Zeit für die Umsetzung.
Einbindung der Basis: Bei größeren Verbünden wünschen sich die Aktiven vor Ort, bei digitalen Entscheidungen noch stärker mitgenommen zu werden.
Generationenfragen: Unterschiedliche Erfahrungswerte zwischen Alt und Jung führen manchmal zu Unsicherheiten. Wir haben jedoch festgestellt: Mit der nötigen Einbindung lassen sich diese Hürden gemeinsam gut überwinden.
Best Practice: Wenn ein Notprojekt zum Inklusionswerkzeug wird
Dass Digitalisierung in Glaubensgemeinschaften längst gelebte Praxis ist, hat uns ein beeindruckendes Beispiel gezeigt: Eine kleine Gemeinde mit gerade einmal 60 Mitgliedern berichtete von ihrem YouTube-Livestream der Predigt.
Was während der Corona-Pandemie als Notprojekt begann, erreicht heute regelmäßig über 40 Aufrufe. Für die Gemeinde ist der Stream mittlerweile ein unverzichtbares Werkzeug, um Menschen einzubinden, denen der Kirchgang aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist. Ein starkes Zeichen für gelebte Inklusion!
Digitale Chancen für die Seelsorge mit klaren Grenzen
Ein weiteres wichtiges Thema unserer Runde war der hohe Bedarf an Seelsorge. Hier stellte sich die Frage, welche Rolle moderne Technik dabei spielen kann. Wir waren uns einig: Künstliche Intelligenz kann echtes Zuhören und menschliche Empathie nicht ersetzen. Allerdings kann KI sehr wohl als Orientierung dienen und Menschen gezielt an die richtigen persönlichen Ansprechpersonen weiterleiten sowie Seelsorger:innen im Alltag administrativ entlasten.
Wie wir als MakerPort konkret unterstützen
Digitalisierung muss nicht kompliziert sein und niemand muss diesen Weg alleine gehen. Gemeinsam haben wir erste Ideen geschmiedet: Künftig wollen wir mit Formaten wie unserem Angebot Digital Fit direkt vor Ort in den Gemeinden unterstützen, um Berührungsängste abzubauen. Darüber hinaus eruieren wir aktuell weitere gemeinsame Projekte und Unterstützungsmöglichkeiten, um die Digitalkompetenz genau dort zu stärken, wo sie gebraucht wird.
Unser Fazit: Digitalisierung in der Gemeinde ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für Miteinander und Begegnung. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Prof. Andreas Büsch für den inspirierenden Input und bei allen Teilnehmenden für den offenen, bereichernden Austausch!
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